Gorodischer, Angélica: Im Schatten des Jaguars

gorodischer SchattenGorodischer, Angélica: Im Schatten des Jaguars
Erzählungen. Hrsg. und mit einem Nachwort von Rike Bolte.
Aus dem argentinischen Spanisch von einer Gruppe Studierender der Universität Potsdam unter Leitung von Susanne Mende.
Berlin: Golkonda Verlag, 2010. 183 S., englbr., 16,90 €.
978-3-942396-08-0

Die Teilnehmer der Expedition, die eines Tages in einer Wüstenregion der Erde nach Resten einer untergegangenen Zivilisation forscht, hoffen vergeblich, einmal Ansiedlungen zu finden, in denen keine Waffen zum Vorschein kommen. Also auch wieder kein friedliches Volk, das in dem einst radioaktiv verseuchten Gebiet ausgestorben war, bevor einige Auserwählte die Flucht zu einem anderen Planeten antraten. Wo diese Expedition gelandet ist, wird am Ende dieser spannenden Erzählung deutlich – nach der Entzifferung der Tafel an den Überresten des phallischen Monuments: „Der Begriff Stadt, das ist einfach ... danach zwei weitere Wörter: buenos-aires, was soviel bedeutet wie gute Luft."
Elf Erzählungen aus einem Zeitraum von fast vierzig Jahren hat die Herausgeberin aus dem reichen Schaffen der Autorin ausgewählt und ihnen ein sehr informatives Nachwort beigegeben, ohne das, wie ich zugeben muß, einiges dieser ungewöhnlichen und beunruhigenen Prosa unverständlich bliebe. Die Auswahl umfaßt Science Fiction, Phantastik, Kriminalerzählungen, politische Literatur; ihre Protagonisten sind meist Frauen. Dennoch ist eine eindeutige Kategorisierung ihrer sehr unterschiedlich behandelten Themen wenig hilfreich. Bei Gorodischer kann man von „einem ´Quer'-Schreiben sprechen, einem Schreiben quer durch die Gattungen der Geschlechter wie der Texte." (Rike Bolte).
Mit diesem „Querschnitt" ihres Schaffens haben wir eine gute Gelegenheit, eine hervorragende und leider hierzulande viel zu wenig bekannte Autorin (in einem schön gestalteten Büchlein) kennenzulernen.
Klaus Küpper, BzL

Die Autorin:

Gorodischer PhotoAngélica Gorodischer wurde am 28.7.1928 in Buenos Aires geboren. Sie studierte Literatur und arbeitete als Bibliothekarin. Nebenbei schrieb sie ihre ersten Geschichten und veröffentlichte mehrere Bände mit Erzählungen und einige Romane. Sie zählt zu den prägendsten Autorinnen in der spanischsprachigen Phantastik, insbesondere hinsichtlich der feministischen Ansätze in ihren Werken. Sie erhielt zahlreiche renomierte Preise, darunter 2011 den World Fantasy Award für ihr Lebenswerk.
Angélica Gorodischer ist überzeugt, dass die Welt ein großes Buch sei, und als mystisch-symmetrisches und gleichzeitig demokratisches Projekt ausgelegt werden müsse.
In deutscher Übersetzung erschien 1992 ihr Roman „Eine Vase aus Alabaster“ und einige Erzählungen und Romanauszüge.
(Photo: © D. Schultz, Orlanda Vlg.)

 

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