Fernández, Macedonio: Das Museum von Eternas Roman (Erster guter Roman)

Fernandez MuseumFernández, Macedonio: Das Museum von Eternas Roman (Erster guter Roman)
Aus dem argentinischen Spanisch von Petra Strien. Mit einem Nachwort von Gerhard Poppenberg.
Berlin: Die Andere Bibliothek, 2014. 421 S., geb., 36,00 €.
Nummeriert und limitiert, Buchgestalter: Michael Karner.
O: Museo de la Novela de la Eterna. Buenos Aires 1967.
978-3-8477-0350-1

Das Buch ist als Roman seiner Zeit voraus. In den 1930er- und 40er Jahren geschrieben - der Blütezeit der argentinischen Literatur - ist Das Museum in vielerlei Hinsicht ein »Anti-Roman«: Er beginnt mit über 50 Vorworten - einschließlich derer, die sich an »die Kritiker« und die »Leser, die verrückt werden, weil sie nicht wissen, was der Inhalt dieses Romans ist« wenden. Philosophisch, zweiflerisch, herausfordernd, unterhaltsam und in Kontakt mit dem Leser tretend - Fernández Vorstellung von einem guten Roman bezieht den Leser als Kunstfigur mit ein - machen die Vorworte klar: Es ist ein Roman, der nicht beginnen möchte - schließlich liegt im Beginn das Ende...
Die zweite Hälfte des Buches besteht aus dem »Roman« selber. Die reizende Protagonistin Eterna, in deren Macht es steht die Vergangenheit zu verändern und eine Handvoll weiterer Charaktere leben auf einer Ranch namens »Der Roman« und werden von der Frage, wie wir trotz der Gewissheit unserer Sterblichkeit lieben können, bewegt. Wo Liebe ist, ist kein Tod, nur Vergessen...
Eine großartige literarische Entdeckung, ein virtuoses Spiel mit Zeit und Raum, ein oft bewegendes Buch, welches die Grenzen des Genres neu definiert: der Roman hatte in Südamerika einen großen Einfluss auf Autoren wie Jorge Luis Borges, Julio Cortàzar und Ricardo Piglia, die von Fernàndez Charme und seinem Konzept begeistert waren. Nun kann auch der deutsche Leser diesen großen argentinischen Autor und sein Werk entdecken.
Neben dem Museum als Ersten guten Roman steht Adriana Buenos Aires, den Fernández zum Letzten schlechten Roman deklarierte. (Verlagsinformation)

Petra Strien ist promovierte Romanistin, Herausgeberin und freie Literaturübersetzerin aus dem Spanischen. Zu ihren zahlreichen Übersetzungen von Romanen, Erzählungen und Lyrik gehören Werke von u. a. Autorinnen und Autoren wie Cristina Peri Rossi, Laura Esquivel, Rosario Castellanos, José Angel Valente, Leopoldo Lugones, Rosario Castellanos, Sergio Pitol, Enrique Vila-Matas, Angeles Mastretta, Laura Esquivel, Silvina Ocampo, Adolfo Bioy Casares und Juan Gelman.
 
Der Autor:

Fernández sw c Archivo Adolfo de ObietaMacedonio Fernández wurde am 1.6.1874 in Buenos Aires geboren.
Er studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwalt. Während seines Studiums war er freier Mitarbeiter von Leopoldo Lugones an dessen Zeitschrift La Montaña. Zur Veröffentlichung seiner Texte, die schon früh Aufsehen erregten, musste er von seinen Freunden immer überredet werden. Dennoch übte sein Werk aus Romanen, Erzählungen, philosophische Essays, Gedichten und unklassifizierbaren Texten voller metaphysicher Spekulationen, komischer Einfälle und ironischer Paradoxien einen imensen Einfluss auf die argentinische Literatur aus. Borges schrieb über ihn: „Von allen Leuten, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin – und ich habe eine Menge bemerkenswerter Menschen getroffen –, hat keiner mich so tief und nachhaltig beeindruckt wie Macedonio."
Fernández starb am 10.2.1952 in seiner Geburtsstadt.
(Foto: © Verlag)

Titel:

Das Museum von Eternas Roman (Erster guter Roman)