Aira, César: Gespenster

Aira GespensterAira, César: Gespenster
Aus dem argentinischen Spanisch von Klaus Laabs
Berlin: Ullstein, 2010. 168 S., geb., 18,00 €.
O: Los fantasmas. B.A. 1990.
978-3-550-08824-7
- dass.: - München: Ullstein TB Verlag, 2012. List-TB 61071. 168 S., kt., 8,99 €.
978-3-548-61071-9

Buenos Aires: Syvester, Zwischenzeit, Hochsommer. Eigentlich hätte das sechsstöckige Luxus-Appartementhaus ja schon längs bezugsfertig sein sollen. Nun aber erleben die künftigen Bewohner beim Besuch nur ein halbfertiges Haus ohne Treppengeländer, Türen und die Glasscheiben für die Dachterrassen, kurz eine verschmutzte Baustelle voller Schutt. Und die ebenfalls unfertige künftige Hausmeisterwohnung im sechsten Stockwerk wird seit Wochen von dem chilenische Bauarbeiter Raúl Viñas in seiner Funktion als Nachtwächter mit seiner Familie vorübergehend benutzt. Aber „wo jetzt die einen waren, würden später die anderen sein. Der Altjahrestag erinnerte kraft seines Symbolgehalts mit aller Gewalt daran." In dem Augenblick, als schon fast alle Besucher gegangen waren, sagte Félix Tello, der Architekt zu den wenigen noch Anwesenden: „Das Schlimmste ist, dass sie lügen" und meinte die Bauarbeiter in Bezug auf die endliche Fertigstellung der Wohnungen – in diesem Moment „waren zwei Individuen eingesickert, zwei Männer, die nackt waren, die Haut mit Kalkstaub bedeckt. Auch sie hörten genau zu, aber nur, um alle Augenblicke in ein lautes, wildes Gelächter auszubrechen." Der Auftritt der Gespenster!
Am Abend feiert die chilenische Familie Sylvester. Patri, die halbwüchsige Tochter, möchte die Gespenster, die wie selbstverständlich um das Haus herum schweben und die daher auch kaum beachtet werden, zur Feier einladen. Auch die Gespenster möchten Patri zu ihrer Feier einladen, allerdings: „Du wirst natürlich tot sein müssen ..."
Es bliebe noch viel zu erzählen von diesem ver-rückten Roman und von seinem Autor und dessen Werken, von dem wir Leser uns noch viele weitere Übersetzungen wünschen und vor dem Roberto Bolaño aber warnt: „Wenn Sie einmal angefangen haben, Aira zu lesen, hören Sie nicht mehr auf."
Klaus Küpper, BzL

Klaus Laabs (* 21. Januar 1953 in Berlin) ist literarischer Übersetzer und Herausgeber. Vorrangig übersetzt er Werke hispanoamerikanischer, französischer sowie frankophoner Autoren aus der Karibik und Afrika (u. a. José Lezama Lima, Reinaldo Arenas, Alejandra Pizarnik, César Aira, Aimé Césaire, Daniel Maximin) sowie Theaterstücke katalanischer Autoren (Sergi Belbel, Josep Maria Benet i Jornet), zudem Lyrik und Prosa aus dem Portugiesischen, Russischen, Englischen und US-amerikanischen (Arseni Tarkowski, Wole Soyinka).

Der Autor:

AiraCésar Aira wurde am 23.2.1949 in Coronel Pringles/Prov. Buenos Aires geboren.
Er ist Übersetzer, Literaturkritiker, Herausgeber und Autor zahlreicher Romane und Essays.
Häufig kreuzen sich in seinen Arbeiten die Grenzen zwischen Literatur und Kunst, wie beispielsweise in „Humboldts Schatten", wo er die Poetik der Formen hinterfragt, und überhaupt haben die plastischen Ausdrucksformen, Inszenierungen, Kino, sogar Kostüme einen festen Platz in seiner Prosa.
Leider sind einige seiner bisherigen Übersetzungen ins Deutsche nicht mehr lieferbar: Die Novellen und Romane "Die nächtliche Erleuchtung des Staatsdieners Veramo", "Humboldts Schatten", "Die Mestizin", "Die Nächte von Flores" und "Stausee" sind in den Broschüren BzL 2002/03ff. und Bücher zu Argentinien, S. 7ff. besprochen worden und z. T. noch lieferbar.
César Aira lebt seit 1967 in Buenos Aires.
(Foto: © Noemi Aira)
„Es ist frustrierend: wenn man einmal angefangen hat, Aira zu lesen, kann man nicht mehr aufhören. Sicher ist er ein Exzentriker, aber auch einer der drei oder vier besten spanischsprachigen Autoren unserer Zeit." Roberto Bolaño