Arlt, Roberto: Das böse Spielzeug

Arlt SpielzeugArlt, Roberto: Das böse Spielzeug
Roman.
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Mit einem Nachwort von Juan Villoro.
Frankfurt a. M: Suhrkamp, 2006. BS 1406. 197 S., geb., SU., 13,80 €.
O: El juguete rabioso. 1926. [1991]
978-3-518-22406-9

Das böse Spielzeug erschien 1926 und war das erste Roman, wenn auch nicht die erste Veröffentlichung des damals 26 Jahre alten widersprüchlichen Autors, der keinerlei Beziehungen zur etablierten Literaturszene pflegte, geschweige denn Interesse für die gebildeten Kreise zeigte. Ein Einzelgänger ohne besondere Bildung, ohne Umgangsformen, chronisch abgebrannt, und der trotz allem erbaute er der argentinischen Literatur ein Monument bevor er, fast in Vergessenheit geraten, mit 42 Jahre starb. Arlt beschreibt in „Das böse Spielzeug“ die Biographie eines Jungen aus einen von Armut und Hoffnungslosigkeit geprägten Stadtviertel und seine Karriere als Gauner. Die Figur erinnert sowohl an die russischen Romane des 19. Jahrhunderts, als auch an die Schelmenromane der spanischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts, ein Hinweis darauf ist auch, dass der Roman in der ersten Person geschrieben ist, ein stilistisches Merkmal der Schelmenromane. Silvio Astier, so heißt der Antiheld, ist ein Pícaro, der sich in mehreren Abenteuer zu behaupten versucht, Angst erfährt, Ekel empfindet, anderen Leid zufügt und letztendlich seine Freiheit durch niederträchtigste Taten erlangt.
Die Übersetzung ist Tadellos und der Kommentar von Villoro eine Bereicherung.
(Diana García Simon, Bücher zu Argentinien, 2010)
 
Elke Wehr wurde 1946 im sächsischen Bautzen geboren. 1961 flüchtete sie mit ihrer Familie aus der DDR nach Westdeutschland. Sie studierte Französisch und Italienisch in Paris und Heidelberg, wandte sich jedoch im Folgenden vor allem der spanischen Sprache zu. Wehr übersetzte unter anderem Texte von Roberto Arlt, Marco Denevi, Octavio Paz, Mario Vargas Llosa, Julio Cortázar, Alejo Carpentier, Jorge Semprún, Rafael Chirbes, Javier Marías und Manuel Rivas. Sie trug mit ihren Übersetzungen wesentlich zur Bekanntheit dieser Schriftsteller im deutschsprachigen Raum bei und wurde zu einer der wichtigsten Vermittlerinnen zeitgenössischer Literatur aus Lateinamerika und Spanien.
Im Jahr 2006 wurde Elke Wehr für ihr Gesamtwerk mit dem Paul-Celan-Preis für herausragende Übersetzerleistungen ausgezeichnet. Elke Wehr verstarb am 27.6.2008 in Berlin.
 
Der Autor:
Arlt R Briefmarker02 04 15 sRoberto Arlt wurde am 2. April 1900 in Buenos Aires als Sohn einer Österreicherin und eines Deutschen geboren. In der Familie sprach man Deutsch, auf den Straßen von Buenos Aires lernte er die Gassen- und Gaunersprache Lunfardo. Als Autodidakt schrieb Arlt Romane, Erzählungen, Dramen und vor allem zahlreiche Reportagen und gesellschaftskritische Kolumnen über seine Heimatstadt. In den 30er Jahren lebte er kurze Zeit als Korrespondent in Spanien und Spanisch-Marokko. Daneben versuchte er sich erfolglos als Erfinder. Roberto Arlt starb am 26. Jul 1942 in Buenos Aires.
Zu Lebzeiten für seinen ›niederen‹ Stil harsch kritisiert und nahezu unbekannt geblieben, wurde er erst von Julio Cortázar in den 50er Jahren und besonders Ricardo Piglia wiederentdeckt. Heute zählt Roberto Arlt, neben seinem Zeitgenossen und literarischen Antagonisten Jorge Luis Borges, zu den einflussreichsten modernen Autoren Argentiniens. Seine beiden übersetzten Romane Los siete locos (1929) dt. „Die sieben Irren“ von 1971 und die Fortsetzung Los lanzallamas (1931), dt. „Die Flammenwerfer“ von 1973 sind seit langem vergriffen. Die überarbeitete Neuausgabe von "Die sieben Irren" macht hoffentlich erneut aufmerksam auf einen zu Unrecht vergessenen Autor. 
 
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