Cortázar, Julio: Die Katzen / Los gatos

Cortázar KatzenCortázar, Julio: Die Katzen / Los gatos
Erzählung. Zweisprachige Ausgabe.
Aus dem Spanischen und mit einem Nachwort von Henriette Terpe und Frank Henseleit.
Herausgegeben von der Kunststiftung NRW.
Düsseldorf: Lilienfeld, 2018. Schriftenreihe der Kunststiftung NRW. Bd. 11. 127 S., Hc., SU., 18,00 €.
978-3-940357-70-0

Eine literarische Entdeckung: die frühe Erzählung Los gatos aus dem Nachlass Julio Cortázars erstmals auf Deutsch. Der Meister der Andeutung erzählt in seinem 1948 entstandenen Text eine flirrende Beziehungsgeschichte zwischen Jugendlichen.
Buenos Aires in den 1940er Jahren. Marta und Carlos María, Cousine und Cousin, wachsen zusammen wie Geschwister in der Familie Hilaire auf. Wilde Kinderspiele auf dem weitläufigen Besitz wandeln sich im Lauf der Zeit zu anspruchsvollerem Zeitvertreib. Das Älterwerden bringt ein neues, irritierendes Interesse aneinander mit sich. Die Jahre vergehen, aus kindlichen und pubertären Neckereien entsteht ein verbotenes erotisches Spannungsfeld der Anziehung und Abstoßung. Als Rolando in Martas und Carlos Marías vertrauten Kosmos eindringt, scheinen sich die Beziehungen schmerzhaft zu klären. Carlos María ist zerrissen zwischen Eifersucht und heroischem Verzicht – bis ein rätselhafter Brief seines Vaters ihn auf die Spur eines Familiengeheimnisses bringt. (Verlagsinformation)
 
Die gemeinsame Übertragung von Los gatos ins Deutsche ist im Rahmen des Übersetzungsschwerpunktes der Kunststiftung NRW als Mentoringprojekt entstanden: Henriette Terpe, Jahrgang 1989, hat ein Physikstudium abgeschlossen und sich dann der Romanistik zugewandt. Mit einem Auszug aus Cortázars Los gatos nahm sie 2015 am Stilseminar für Übersetzer im EÜK¬ Straelen teil. Frank Henseleit, Jahrgang 1964, ist Herausgeber und Übersetzer für spanische und portugiesische Literatur, er übersetzte Fernando Pessoa, Mário de Sá Carneiro, Jorge Luis Borges und andere.
 
Der Autor:
Cortazar c SaraFacio SVJulio Cortázar wurde am 26.8.1914 in Brüssel geboren (sechs Tage zuvor war die Hauptstadt Belgiens von den deutschen Truppen eingenommen worden). Als er vier Jahre alt war (nach Ende des ersten Weltkriegs), zogen seine Eltern mit ihm nach Buenos Aires.
Er wurde Grundschullehrer und arbeitete an verschiedenen Schulen in der Provinz. 1944 erhielt er eine Dozentur für französische Literatur in Mendoza. Aus Protest gegen Perón trat er zwei Jahre später von diesem Hochschulamt zurück und wurde Übersetzer für Englisch und Französisch. Cortázar erhielt 1951 ein Stipendium des französischen Staates und arbeitete von 1951 bis 1974 als Übersetzer bei der UNESCO in Paris.
Cortázar war einer der profiliertesten Vertreter der argentinischen Literatur der Gegenwart. Sein Werk ist der neueren englischen und französischen Literatur verpflichtet, insbesondere dem Surrealismus, dem Theater des Absurden und dem Nouveau Roman.
„Der Einbruch des Absurden in die Realität des Alltags, Bedrohung der Identität des einzelnen, Protest gegen die Sinnleere einer technisierten Umwelt sowie die Suche nach der authentischen Existenzform des Individuums bilden die inhaltlichen Kennzeichen der cuentos und novelas, mit denen Cortázar die allgemeine Thematik moderner Literatur aufnimmt." (W. Brand).
Leider sind heute viele seiner Werke, vor allem die Kurzprosa, vergriffen. Dabei sind es gerade die Erzählungen, die ihn als kreativen und originellen Autor bekannt gemacht haben. „Sie bestechen durch die ästhetische Perfektion und ihre erzählerische Strenge." (D. Reichardt)
„Wer Cortázars Bücher nicht liest, ist verloren. Sie nicht zu lesen ist eine schwere, schleichende Krankheit, die mit der Zeit schreckliche Folgen haben kann. Ähnlich wie jemand, der nie einen Pfirsich gekostet hat. Er würde langsam melancholisch werden und immer blasser, und vielleicht würden ihm nach und nach die Haare ausfallen." (Pablo Neruda)
Julio Cortázar starb am 12.2.1984 in Paris.
(Foto: © Sara Facio/Suhrkamp Verlag)

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