Gelman, Juan: Leidland / País del dolor

Gelman, Juan: Leidland / País del dolor
Gedichte. 
spanisch/deutsch.
Aus dem Spanischen ausgewählt und übertragen und mit einem Vorwort von Walter Eckel.
Aachen: Rimbaud, 2017 (Frühjahr). Ca. 
176 S., englbr., ca.
978-3-89086-376-4 
€ 20,-   
 

Der am 3. Mai 1930 in Buenos Aires als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine geborene Dichter und Journalist Juan Gelman hat zu seinen Lebzeiten fast alle bedeutenden Literaturpreise erhalten, die in der spanischsprachigen Welt vergeben werden, u.a. den Argentinischen Nationalpreis für Poesie (1997), den mexikanischen Literaturpreis Juan Rulfo (2000), den Ibero­amerikanischen Poesiepreis Pablo Neruda (2005), den spanischen Poesiepreis Reina Sofia (2005) und den Cervantes-Literaturpreis (2007).
Sein 31 Gedichtbände umfassendes lyrisches Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Welche Wertschätzung Gelman vor allem auch bei seinen Dichterkollegen genießt, zeigt der Nachruf des großen mexikanischen Dichters José Emilio Pacheco, der seinem am 14. Januar 2014 in Mexiko-Stadt verstorbenen Freund einen Ehrenplatz im Dichter-Olymp zuwies. Für Pacheco war Gelman bis zu seinem Todestag der bedeutendste lebende Dichter spanischer Sprache. Sein Tod machte ihn zu einem Klassiker der Moderne.
Gelman musste für seinen Traum von der Revolution in Lateinamerika einen hohen Preis bezahlen. Im Jahre 1975 wurde er von den Montoneros, einer argentinischen Guerillaorganisation, die der Regierung von Isabel Perón ein gewaltsames Ende setzen wollte, nach Rom geschickt, um in Europa für die argentinische Revolte zu werben. Dort überraschten ihn 1976 die Nachrichten vom Militärputsch und von der Entführung seines Sohnes und seiner schwangeren Schwiegertochter. Erst nach seiner Rückkehr aus dem europäischen Exil im Jahre 1988 konnte Gelman die Aufklärung dieser Verbrechen in Angriff nehmen. Die Leiche des ermordeten Sohnes wurde 1989 gefunden; der Verbleib der Schwiegertochter ist bis heute ungeklärt, jedoch konnte Gelman nach einer langjährigen Suche seine Enkelin im Jahre 2000 in Montevideo auffinden, wo sie von einem Polizistenehepaar „zwangsadoptiert“ worden war.
Was ihm sein Heimatland Argentinien an Leid zumutete, geht weit über das hinaus, was Menschen gemeinhin zu ertragen vermögen. Dass Gelman nicht an seinem Schicksal zerbrach, hat er vor allem der Poesie zu verdanken. So hinterfragt er auch in seinen späten Gedichten das grausame Geschehen unter der Militärdiktatur und dessen schwierige Aufarbeitung nach der Rückkehr zur Demokratie. Neben dem Leid und der Poesie kreisen seine Gedichte um die Themen Kindheit, Liebe, Tod und soziale Gerechtigkeit, die er immer wieder aufgreift und aus anderen Perspektiven beleuchtet. Gelmans Dichtkunst – „Die Bäume zeigen ihr Alphabet“, heißt es im Gedicht „Neuigkeiten“ – reicht von einem „gesprochenen Guernica“ (Jorge Boccanera) bis hin zu feinsinnigen und schönen, meist seiner zweiten Frau Mara gewidmeten Liebesgedichten. Wer von einem politischen Kopf wie Gelman politische Lyrik im Stile des sozialistischen Realismus eines Louis Aragon erwartet, wird enttäuscht sein; wer hingegen Sinn hat für außergewöhnlichen Bilderreichtum, eingebettet in eine fein gewobene Alltagssprache, wird bei Gelman seine Freude haben: Jemand gießt die Sterne, und das Holz wächst. („Herbsten“) (Verlagsinformation)

Walter Eckel, geboren am 10.08.1953 in Heidelberg, studierte Anglistik und Romanistik an der Universität Heidelberg, Comparative Literature an der University of East Anglia, Norwich, England und promovierte an der Universität Heidelberg über den englischen Dichter, Übersetzer und Essayisten Michael Hamburger. Nach verschiedenen Lehrtätigkeiten und einer Gastprofessur in Santiago de Chile arbeitet Walter Eckel seit 2001 als geschäftsführender Direktor des Heidelberg Center Lateinamerika, Exzellenzzentrum in Forschung und Lehre der Universität Heidelberg in Santiago de Chile. Er hat bisher zwei Bände mit Gedichten des chilenischen Lyrikers Óscar Hahn herausgegeben und übersetzt.

Der Autor:

Gelman Messe KKJuan Gelman wurde am 3.5.1930 in Buenos Aires geboren.
Er übte verschiedene Berufe aus, war Lastwagenfahrer, Büroangestellter, Journalist und Übersetzer. 1975 ging er ins Exil nach Italien und Frankreich. 1988 kam er zurück nach Argentinien. Einige seiner Lyrikbände und viele einzelne Gedichte wurden ins Deutsche übersetzt und sind vor allem in Zeitschriften und Anthologien erschienen (s. dazu: Bücher zu Argentinien 2010, S. 63f. sowie: Bibliographie der argentinischen Literatur , S. 205-211). 2007 erhielt er den Cervantes-Preis.
Seit mehreren Jahren lebte Gelman in Mexiko, wo er am 14.1.2014 verstarb.
(Foto: © K. Küpper)

Titel:
Leidland / País del dolor
Welteln / Mundar
Kompositionen & Darunter / Com/Posiciones & Dibaxu (Debaj