Sorrentino, Fernando: Problema resuelto / Problem gelöst

Sorrention ProblemasSorrentino, Fernando: Problema resuelto / Problem gelöst
Cuentos argentinos de Fernando Sorrentino / Argentinische Erzählungen von Fernando Sorrentino. Spanisch / deutsch.
Herausgegeben und Nachwort von Vera Elisabeth Gerling und Andrea Schmittmann.
Übersetzt von Studierenden im Fach Literaturübersetzen an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.
Düsseldorf: düsseldorf university press, 2014. Düsseldorf übersetzt, Bd. 4. 251 S., br., 14,00 €.
978-3-943460-65-0

„... dass der Mensch von heute sich vergegenständlicht habe und nach und nach von der Konsumgesellschaft einverleibt werde“, mit dieser Ansicht, geäußert in einer Talkshow, konnte sich der Ich-Erzähler sofort einverstanden erklären und eilte zum nächsten Fahrradladen. Der freundliche Verkäufer beglückwünschte ihn und meinte: „Ein Fahrrad ist schlicht und steht ... für das Natürliche: frische Luft, Sonne und körperliche Betätigung.“ Nach der ersten lustvollen Fahrt kehrt der Erzähler zum Händler zurück und ist schnell davon überzeugt, dass zur Perfektionierung seiner Errungenschaft unbedingt noch Kilometerzähler, elektrische Hupe, Temperaturanzeiger, windbetriebene Uhr mit den Uhrzeiten von Tokio bis Addis Abeba, Fernseher und Fotokopierer angebracht werden müßten. „Ich stieg auf und radelte davon: glücklich und voller Leben, mit einem Lied auf den Lippen.“
Nicht so glücklich begann die Geschichte für den Ich-Erzähler, dem in seiner Wohnung der Schlüssel abgebrochen war und der, weil er kein Bargeld für die Vorkasse des Schlüsseldienstes hatte, fortan von jeglicher Kommunikation abgeschlossen, schließlich seine Lebensmittel auf dem Balkon anpflanzten und als Brennmaterial Bücher und Möbel benutzten mußte. Doch hatte er sich allmählich mit allem abgefunden und meinte: „Alles in allem bin ich relativ glücklich“.
Für das jung verheiratete Paar endeten die Flitterwochen in Bariloche nach ihrer Rückkehr in Buenos Aires mit einer faustdicken Überraschung: in ihrer neuen Wohnung hatte man zum Zwecke der Resozialisierung einen Häftling einquartiert, der ihnen mit höflicher Geduld die neuen Pflichten erklärte, die sie für ihn ab sofort zu leisten hätten. „Zu wie vielen Jahren Haft wurden sie denn verurteilt?“ fragten die Eheleute völlig verzweifelt. „Lebenslänglich“ war die Antwort.
Alle Probleme in den 16 wunderbaren Erzählungen aus dem „Alltag“ in Buenos Aires werden in der Tat auf die eine oder andere Weise gelöst. Freilich wird dieser Alltag auf eine immer überraschende und vielfach absurde und groteske Art unterbrochen. Und in der Geschichte von Mabels Bibliothek und der Wiedergeburt des Landstreichers hält auch das Grauen Einzug. Die meisten Erzählungen aber werden die Leserinnen und Leser zu lautem Lachen reizen, auch wenn es ihnen manchmal im Halse stecken bleibt.
Ein Nachwort zu den Problemen des Übersetzens rundet das empfehlenswerte Bändchen ab, das durch seine Zweisprachigkeit für Spanischlernende einen zusätzlichen Reiz besitzt.
Viel Vergnügen!
Klaus Küpper, BzL

Vera Elisabeth Gerling wurde 1969 in Ahaus/Westfalen geboren. Sie studierte in Düsseldorf Literaturübersetzen. In ihrer Dissertation untersuchte sie die Wahrnehmung lateinamerikanischer Literatur in deutschen Übersetzungen. Sie lehrt und forscht an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf in den Bereichen Romanistik und Literaturübersetzen. Die ist Initiatorin und Mitherausgeberin der Reihe „Düsseldorf übersetzt“, in der bisher drei Bände mit Übersetzungen aus dem lateinamerikanischen Raum erschienen sind.
Andrea Schmittmann, geboren 1987, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Sie lebt und arbeitet als freie Übersetzerin und Lektorin in Düsseldorf. 


Der Autor:

Fernando Sorrentino wurde am 8. November 1942 in Buenos Aires geboren. Er unterrrichtet Literatur und hat zahlreiche Erzählungen, Romane und Kinderbücher veröffentlicht, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Auf Deutsch erschien 2001 eine leider vergriffene Sammlung mit Erzählungen: „Von Skorpionen und anderen Alltagsgefahren", ausgewählt und übersetzt von Vera Elisabeth Gerling. (s. Bücher zu Argentinien, 2010, S. 107)
„Wie durchaus ernstzunehmende Zeugen versichern, zeichnen sich meine Geschichten durch eine seltsame Mischung von Fantasie und Humor aus, die manchmal ins Groteske geht, dabei aber immer glaubhaft bleibt ... Mein erzählerisches Werk setzt sich aus sechs Sammlungen von Kurzgeschichten zusammen (). Meine Kinder- und Jugendbücher haben mutatis mutandis dieselben Eigenschaften (). Außerdem bin ich Autor zweier Bücher mit Interviews (Jorge Luis Borges und Adolfo Bioy Casares)". (Aus: www.alb-neckar-schwarzwald.de)


Titel:

Problema resuelto / Problem gelöst