[Argentinien] Voces. Cuentos argentinos / Stimmen. Argentinische Erzählungen

vocesVoces. Cuentos argentinos / Stimmen. Argentinische Erzählungen
Spanisch - Deutsch. Hrsg.: Vera Elisabeth Gerling und Karolin Viseneber
Düsseldorf: dup (düsseldorf university press), 2010. 236 S., br., 12,80 €
978-3-940671-50-9

Der „junge Schriftsteller" wünscht sich, vom Verlag gefragt, über Rommels Wüstenkrieg zu schreiben. Die alltäglichen Störungen halten ihn nicht vom Schreiben ab: „Rommel rückt vor, die Briten halte ihn auf, beiden Seiten geht der Nachschub aus, eine der beiden Parteien dringt weiter vor ...". Washington Cucurto, den wir schon aus anderen Anthologien und kleinen Veröffentlichungen kennenn, nimmt uns an einem Morgen mit zu dem Mann mit dem blauen Helm, der seit zehn Jahren für die Supermärkte in Buenos Aires als externer Regalauffüller tätig ist – da kann man was erleben. Der schwarzgekleidete Mann in der Geschichte von Julia Coria hat sein Gedächnis verloren und weiß nicht, ob er ein Mörder ist, denn an die Herkunft des blutigen Messers ins seiner Jackentasche kann er sich nicht erinnern. Staunend verfolgt der Sohn in der Geschichte von Fabio Casas das Auftreten der wechselnden Liebhaber seiner Mutter, darunter auch Pater Manuel, der auf Nachfrage an den Leidensweg von Jesus erinnert: „Die Sache mit den Römern, den Dornen auf dem Kopf und Judas dem Verräter?" fragt der Kleine ...
Diese und sechs andere, teils heitere, teils unheimliche Geschichten enthält der kleine, empfehlenswerte Band, der uns Leserinnen und Leser mit meist unbekannten Autorinnen und Autoren aus Argentinien bekannt macht. In ihrem Nachwort erläutern die Herausgeberinnen ihr Vorgehensweise bezüglich der Auswahl und erklären die Vorteile der unüblichen Praxis von zweisprachig abgedruckten Prosatexten.
Klaus Küpper, BzL