Schiffe aus Feuer

Schiffe FeuerSchiffe aus Feuer
36 Geschichten aus Lateinamerika
Hrsg. von Michi Strausfeld. Aus dem Span. von Friederike Meltendorf u. a.
Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2010. 415 S., geb., 19,95 €.
978-3-10-074438-8

36 Geschichten von 36 Autorinnen und Autoren aus dem spanischsprachigen Lateinamerika versammelt dieser Band mit erstmals ins Deutsche übersetzter Prosa. Alle Texte sind jüngeren Datums und sind teilweise Ausdruck der Loslösung von den allmächtigen Übervätern, wie wir sie auch durch deutschsprachige Veröffentlichungen kennen: Borges, Rulfo, Carpentier, Roa Bastos, Onetti, Neruda und Paz, um nur einige zu nennen. In fast allen Ländern Lateinamerikas haben sich unter den Schriftstellern und Künstlern neue Bewegungen organisiert, die andere Antworten als sie der „Magische Realismus" und das „Wunderbar Wirkliche" der Vergangenheit finden wollen. Sie sind auch Reflex auf die veränderten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen, auf die Erfahrungen mit den Militärdiktaturen und den Befreiungskämpfen. „Natürlich sind ihnen die sprachlichen Errungenschaften von Borges ... und Cortázar eine Selbstverständlichkeit", schreibt Michi Strausfeld ihrer informativen Einleitung, „Ihre Vorbilder sind jedoch international ... (sie) sind intellektuell ´globalisiert´".
Die Leser werden auf dieser Reise durch die Literaturen von Mexiko bis Feuerland eine Reihe bekannter Autorinnen und Autoren (u. a. Daniel Alarcón aus Peru, Junot Díaz aus der Dominikanischen Republik, Jorge Franco aus Kolumbien, Alberto Fuguet aus Chile, Ignacio Padilla aus Mexiko, Karls Suárez aus Kuba) mit neuen Arbeiten kennenlernen. Die Bedeutung der jüngsten argentinischen Literatur innerhalb der spanischsprachigen Nationalliteraturen Lateinamerikas erhält ihren Ausdruck durch die große Anzahl der vertretenen Texte: sieben der 36 „Feuerschiffe" stammen aus Argentinien. Auch diese Autoren und eine Autorin sind hierzulande keine Unbekannten mehr: mit einer Ausnahme sind alle bereits mit selbständigen Veröffentlichungen oder in Anthologien im deutschen Sprachraum vertreten, darunter Marcelo Birmajer, Washington Cucurto, Pablo Ramos und Patricia Suárez.
Eine längst überfällige Edition, denn seit Jahren war keine so umfangreiche und mit jüngeren Texten ausgestattete Prosa-Anthologie mehr erschienen.
Klaus Küpper, BzL