Aktuelles

Zum 50. Todestag des großen brasilianischen Dichters Manuel Bandeira
 
Bandeira ZeichnungManuel Bandeira (M. Carneiro de Sousa B. Filho) wurde am 19.4.1886 in Recife geboren. Er studierte Architektur und Ingenieurswesen in São Paulo und lebte wegen seiner Tuberkuloseerkrankung vor dem Ersten Weltkrieg in der Nähe von Davos. Zurück in Brasilien veröffentlichte er 1917 seinen ersten Gedichtband, arbeitete als Schulinspektor und lehrte später als Professor hispano-amerikanische Literatur. Bandeira übersetzte u. a. Schiller, Hölderin, Novalis und Brecht ins Portugiesische. Für sein poetisches Werk erhielt er zahlreiche Preise; 1940 wurde er in die Brasilianischen Akademie der Literatur in Rio de Janeiro aufgenommen.
Bandeira gehörte zur Avantgarde der brasilianischen Literatur und führte, neben anderen, den freien Vers in die brasilianische Literatur ein. Er gilt als einer der Begründer des brasilianischen Modernismo und stand doch am Rand neuer Bewegungen indem er seine persönliche Linie verfolgte. Die bisherige Dichtung mit ihrem Pathos und ihrer Symbolik nannte er „Stimmen der Marmorlöwen, schwach und fern“. „Ich bin die gemessene Lyrik satt / die wohlerzogene Lyrik / den lyrischen Ausdruck als Staatsbeamten / mit Zeituhr Geschäftsverkehr Protokoll und / Sympathiekundgebungen für den Herrn Direktor ... Ich habe die Lyrik satt / die süßholzraspelnde / politische / rachitische / syphilitische / alle Lyrik die kapituliert vor etwas was außerhalb ihrer selbst liegt ...“. (aus Poética, Die Tat, Zürich 1967)
Einige Gedichte wurden in Brasilien schon in den dreißiger Jahren ins Deutsche übersetzt, während Bandeira im deutschsprachigen Raum fast kaum beachtet wurde, obwohl seine Bedeutung für die lateinamerikanische Literatur mit Pablo Neruda und Vicente Huidobro verglichen werden kann und ihn in Brasilien „jedes Kind“ kennt. Nur wenige Übersetzungen wurden meist in zweisprachigen Zeitschriften in Brasilien, in der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschand sowie vereinzelt auch in Anthologien veröffentlicht. Unter dem Titel „ Der Weg nach Pasárgada“ erschien erst 1985 eine zweisprachige Auswahl seiner poetischen Arbeiten zu den Themen Kindheit, Liebe, Krankheit und Tod, ergänzt um einige kürzere Prosatexte und autobiographische Notizen, übersetzt von Karin von Schweder-Schreiner. Es blieb die einzige – nur 150 Seiten umfassende – selbständige Veröffentlichung bis heute.
Manuel Bandeira starb am 13. Oktober 1968 in Rio de Janeiro.
(Zeichnung von Foujita)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok