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Zum 100. Geburtstag des mexikanischen Schriftstellers Juan José Arreola
 
„Ich, meine Damen und Herren, stamme aus Zapotlán el Grande ... meine Sprache ist von adliger Herkunft. Ehrenwort! Ich stamme in direkter Linie von zwei uralten Geschlechtern ab: Mütterlicherseits von den Schmieden und väterlicherseits von den Zimmermännern. Daher meine handwerktliche Begeisterung für die handwerkliche Seite der Sprache ... So kam ich im Alter von 12 Jahren als Lehrling in die Werkstatt des Buchbindermeisters José María Silva, und später in die Druckerei von Chepo Gutiérrez. Aus dieser Zeit rührt meine große Liebe für das Buch als Gegenstand, den man in die Hand nehmen kann. Die anderer Liebe, die zu den Texten, verdanke ich einem Volksschullehrer ... [von dem ich erfuhr], daß es ... auch Dichter auf der Welt gibt. ... Ich bin Autodidakt, das stimmt. ... Ich war fliegender Händler und Journalist, Dienstmann und Bankkassierer, Drucker, Schauspieler und Bäcker ...“
 
Arreola Juan joseJuan José Arreola (Zúñiga) wurde am 21.9.1918 in Ciudad Guzmán im Bundesstaat Jalisco geboren. Er studierte an der Escuela Teatral de Bellas Artes in Mexiko-Stadt und nahm während seines Studienaufenthalt 1946 in Paris Schauspielunterricht bei Jean-Louis Barrault und Pierre Renoir.
In den frühen 40er Jahren gab er zusammen mit Juan Rulfo die Zeitschrift „Pan“ heraus. Später gründete er die bedeutende Buchreihe Los Presentes und machte sich um die Förderung junger Autoren verdient. Arreola hat ähnlich wie Juan Rulfo mit einem relativ schmalen Werk, für das er zahlreiche bedeutende Preise erhielt, die Literatur seines Landes beeinflußt.
Sein bekanntesten Buch Confabulario, das er immer wieder überarbeitete und ergänzte, eine Sammlung von kleinen und kleinsten Prosastückchen (Anekdoten, Satiren, Parabeln, Skizzen), in denen er teils ironisch-satirisch, teils skeptisch die Vielfalt seiner Stoffe behandelt, wurde in der deutschen Übersetzung (Confabularium, 1980) leider kaum zur Kenntnis genommen. „Das Neue und Modellhafte an diesen Texten ist vor allem die perfekte – und beunruhigende – Logik, mit der Absurdes oder Wahrscheinliches aufeinander bezogen werden.“ (Reichardt, 1992) „In Ihren Geschichten finde ich eine Verwandtschaft, die mich rührt, die sich Ihre Freundschaft wünscht.
Es ist genau diese souveräne Frische, mit der Sie Ihre Wortbäume pflanzen." Julio Cortázar in einem Brief an Juan José Arreola.
Arreolas einziger Roman, La feria (1963), an dem er etwa zehn Jahre arbeitete, besteht aus einem 288 Teile umfassenden Mosaik von vielschichtigen Fragmenten aus zahlreichen Episoden und Themenkreisen des Lebens, bzw. Überlebens (Reichardt), die in seiner Heimatstadt Zapotlán im Bundesstaat Jalisco angesiedelt sind und die zudem erzählt sind mit einer wunderbaren Vielfalt von Tonlagen und mit Witz und schwarzem Humor. Es sind kleine Prosastückchen, Geschichten von Katastrophen, von verrückten Leuten, von Liebesdramen; die handelnden Personen sind Pfarrer und Prostituierte, Händler und Handwerker, Dichter und Indianer, kurz ein wunderbarer Flickenteppich, dieser Marktplatz des menschlichen Lebens in einer mexikanischen Kleinstadt. Aber der Roman ist noch mehr: Er „stellt insgesamt eine Werk des Cronotopos ... dar in dem der Schriftsteller die verflossene Zeit an einem Ort zu sehen vermag.“ (Marco Aurelio Larios in seiner Einleitung). In den Geschichten des Romans, den Beobachtungen und Kommentaren, steckt auch die Geschichte der Region, der Streit um das Indianerland, die Eroberung und die Evangelisierung.
Die deutsche Übersetzung verdanken wir dem Engagement des Übersetzers Georg Oswald und einem kleinen Wiener Verlag.
Juan José Arreola starb am 3.12.2001 in Guadelajara.
Klaus Küpper
(Quellen: Reichardt, 1972, 1992. Confabularium, Wikipedia u. a. m.)
 

(Foto: © Septime Verlag)

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