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Zum 50. Todestag des chilenischen Dichters Pablo de Rokha

 

„ ... Wir kochten die hoffnungs- und schuhlose Bohne der betrogenen Nation ... und schrien die Verzweiflung der Nachbarn und den Fall der Republik in den Kanälen der Oligarchie heraus, zwischen Fußtritten und Soutanen den Schmerz des von Bettlern und Multimillionären, von Terror und Verbrechen bevölkerten Landes ...“
RokhaPablodeVor fünfzig Jahren, am 10. September 1968, starb der chilenische Dichter Pablo de Rokha in Santiago de Chile durch Selbstmord.
Sein eigentlicher Name war Carlos Díaz Loyola. Er wurde am 17. Oktober 1895 als Sohn eines ehemaligen Großgrundbesitzers in Licantén geboren. Nach der Schule besuchte er ab 1906 das Priesterseminar in Talca, aus dem er 1911 wegen „Atheismus“ (man hatte ihn bei der Lektüre von Nietzsche, Voltaire und Rabelais erwischt) verwiesen wurde. Nach dem Abitur begann er ein Jura- und Ingenieurstudium, das er nicht beendete. In der Folgezeit übte er verschiedene Berufe aus (u.a Kunsthändler und Gutsverwalter) und gründete verschiedene Zeitschriften. 1931 wurde er Professor für Ästhetik in Santiago de Chile. 1940, nach dem Sieg eines linken Parteienbündnisses (seit 1933 war de Rokha Mitglied der KP), schickte ihn die Regierung in kulturpolitischer Mission durch die Staaten Amerikas. Von 1944 bis 1949 war er im Exil in Argentinien; nach dem Tod seiner Frau Winétt de Rokha (1951) zog er durch Chile und verkaufte ihre und seine Bücher. 1965 erhielt er den Premio Nacional.
Auch wenn de Rokha heute (neben Pablo Neruda, Gabriela Mistral und Vicente Huidobro) zu den bedeutendsten Dichtern seines Landes gezählt wird, wurde er lange nicht zur Kenntnis genommen, bzw. erbittert bekämpft. Zu seiner Dichtung, die über 40 Bände umfasst, sagte er: „Ich schreibe für die Unangepaßten, für die Agressiven, ich schreibe für die Ungezähmten.“ So lösen sich in seinem umfangreichen Werk sehr unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Phasen ab, die marxistische Agitation, Tragik und jammernden Scheitern, optimistische Technikbegeisterung, hymnische Landschaftsimpressionen und abenteuerliche Heldentaten der Bewohner Chiles zum Gegenstand haben. „Rokhas Vorliebe für die volkstümliche Sprache seines Landes hat die spanischsprachige Lyrik um das bildkräftige Vokabular des kreolischen Chilenisch bereichert.“ (FAZ 14.9.1968)
In deutscher Übersetzung gibt es von Pablo de Rokha leider nur zwei Gedichte und zwei Gedichtauszüge.
Klaus Küpper
(Quellen: u.a. Dieter Reichardt 1972, 1992. Zitat aus Rotología del poroto, Santiago de Chile 1961, übersetzt von Adrian Kasnitz, in: Manuel Araneda: Die Armutslehre der Bohne. Köln 2018. )
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