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Am 6. Januar2017 verstarb in Buenos Aires Ricardo Piglia, einer der herausragenden zeitgenössischen Schriftsteller Argentiniens.
Ricardo Piglia wurde am 24.11.1941 in Adrogué, Provinz Buenos Aires geboren. Nach dem Studium der Geschichte wurde er Mitherausgeber und Literaturkritiker für verschiedene Zeitschriften. Von 1986 bis 1990 lebte er vorwiegend in den USA, wo er u. a. in Princeton und Harvard argentinische Literatur unterrichtete. Piglia, der für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, ist Autor von Erzählungen, Romanen, Drehbüchern und Essays. Allerdings lassen sich seine Arbeiten nicht einfach in die üblichen Gattungen einfügen, sie sind immer auch eine Mischung von Politkrimi, Realsatire, Elementen von literarischen Essay und historischen Fakten.
In deutscher Übersetzung erschienen bisher folgenden Titel, die bis auf „Die abwesende Stadt“ sämtlich noch lieferbar sind.
Besprechungen zu den Romanen „Ins Weiße zielen“ (Blanco nocturno), „Munk“ (El camino de Ida), sowie zu dem Band mit Erzählungen „Der Goldschmied“ und dem Essayband „Der letzte Leser“ finden sie auf unserer Webseite.
Die Romane „Brennender Zaster“ (Plata quemada) 2001, „Künstliche Atmung“ (Respiración artificial) 2002, „Falscher Name“ (Nombre falso) 2003 und der Auswahlband mit Erzählungen „Kurzformen“ (Formas breves) 2007 sind in der Broschüre „Bücher zu Argentinien 2010“ besprochen worden.
In dem Roman „Brennender Zaster“ wird die Geschichte eines Banküberfalls in Buenos Aires in den sechziger Jahren vor dem politischen Hintergrund der peronistischen Aktivitäten erzählt.
In „Künstliche Atmung“ schreibt Piglia einen Metaroman eingehüllt in eine poetische Sprache: Literatur und Leben, Literatur und Sozialkritik, politischer Widerstand und historisches Kompendium des Argentiniens der 70er Jahre, der Jahre der Militärdiktatur.
Bei dem Roman „Falscher Name“ handelt sich um eine fiktive Biographie von Roberto Arlt, eines der originellsten argentinischen Autoren. Es ist Erfindung eines schon bekannten Autors mit seinen Werken und Manuskripten, die als verschollen galten und eines Tages auf dem Schreibtisch eines Verlegers landen.
In dem schon lange vergriffenen Roman „Die abwesende Stadt“ (La ciudad ausente), der 1994 das deutschsprachige Leserpublikum erstmals mit dem Autor bekanntmachte, erzählt Piglia die Suche nach einer geheimnisvollen Erzähl-Maschine, die von einer unbekannten Macht beschlagnahmt und in das Museum des Romans der Ewigen gebracht worden ist. Diese Maschine diente dem Schriftsteller Macedonio (siehe Macedonio Fernandez’ mittlerweile auf Deutsch vorliegenden Roman „Das Museum von Eternas Roman“) dazu, durch die immer weiter erzählten und weiter entwickelten Geschichten seine verstorbene Geliebte am Leben zu erhalten.