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Julio Cortázar zum einhundertsten Geburtstag

Julio Cortázar wurde am 26.8.1914 in Brüssel geboren (sechs Tage zuvor war die Hauptstadt Belgiens von den deutschen Truppen eingenommen worden). Als er vier Jahre alt war (nach Ende des ersten Weltkriegs), zogen seine Eltern mit ihm nach Buenos Aires.
Er wurde Grundschullehrer und arbeitete an verschiedenen Schulen in der Provinz. 1944 erhielt er eine Dozentur für französische Literatur in Mendoza. Aus Protest gegen den Wahlsieg Peróns trat er zwei Jahre später von diesem Hochschulamt zurück und wurde Übersetzer für Englisch und Französisch. 1951 erhielt ein Stipendium des französischen Staates und arbeitete von 1951 bis 1974 als Übersetzer bei der UNESCO in Paris.

Cortazar LaJiribillaCortázar war einer der profiliertesten Vertreter der argentinischen Literatur der Gegenwart. Sein Werk ist der neueren englischen und französischen Literatur verpflichtet, insbesondere dem Surrealismus, dem Theater des Absurden und dem Nouveau Roman.
„Der Einbruch des Absurden in die Realität des Alltags, Bedrohung der Identität des einzelnen, Protest gegen die Sinnleere einer technisierten Umwelt sowie die Suche nach der authentischen Existenzform des Individuums bilden die inhaltlichen Kennzeichen der cuentos und novelas, mit denen Cortázar die allgemeine Thematik moderner Literatur aufnimmt." (W. Brand).

Leider sind heute viele seiner Werke, vor allem die Kurzprosa, vergriffen. Dabei sind es gerade die Erzählungen, die durch ihre „ästhetische Perfektion und ihre erzählerische Strenge" (Reichardt) bestechen und ihn als kreativen und originellen Autor bekannt gemacht haben.
„Sie erinnern", schreibt die Übersetzerin Anneliese Botond, „an die sokratische Hebammenkunst, und ich wüsste keinen modernen Autor, der sie geschickter als Cortázar praktizierte bei der Geburt eines neuen Moments aus dem alten, der zugrundegeht und eben dabei ins volle Licht tritt."

„Wer Cortázars Bücher nicht liest, ist verloren. Sie nicht zu lesen ist eine schwere, schleichende Krankheit, die mit der Zeit schreckliche Folgen haben kann. Ähnlich wie jemand, der nie einen Pfirsich gekostet hat. Er würde langsam melancholisch werden und immer blasser, und vielleicht würden ihm nach und nach die Haare ausfallen." (Pablo Neruda)

Julio Cortázar starb am 12.2.1984 in Paris.

Aus Anlass des Geburtstags sind die noch lieferbaren Titel aus der Broschüre „Bücher zu Argentinien" in die Webseite integriert worden; eine Liste der antiquarischen Titel von Cortázar finden Sie unter Antiquariat/Argentinien.